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Oberhessisches Museum

Das Oberhessische Museum in Gießen kann auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurückblicken. Begonnen durch die Sammlungstätigkeit des Oberhessischen Vereins für Localgeschichte 1879 und ergänzt durch die Sammlung des Industriellen und Kommerzienrates Wilhelm Gail, wurden diese beiden unterschiedlichen Sammlungsschwerpunkte 1925 zusammengeführt und gingen dann schließlich in den Besitz der Stadt als Oberhessisches Museum und Gail’sche Sammlung über.

Die Präsentationsflächen der Sammlungen sind an drei Standorten der Öffentlichkeit zugänglich:

Altes Schloss, Brandplatz 2

Altes Schloss - Außenansicht
Altes Schloss - Außenansicht

Die Anfänge des Alten Schlosses reichen bis ins 14. Jahrhundert und gehen auf den Ausbau der mittelalterlichen Stadtbefestigung zurück. Die Nutzung als Museum beginnt mit der Übereignung des Alten Schlosses an die Stadt Gießen im Jahr 1893. Durch die Zerstörungen im 2. Weltkrieg und den Verlust der Sammlungen blieb es allerdings lange, sogar bis hin zu seinem drohenden Abriss, ungenutzt. Erst seit 1980 sind die Gemäldegalerie und die Abteilung Kunsthandwerk im Alten Schloss untergebracht und der Öffentlichkeit zugänglich. Zudem bieten die Räumlichkeiten im Erdgeschoss Platz für Vorträge, Lesungen, Konzerte und wechselnde Sonderausstellungen.

Sonderausstellungen

In den Räumlichkeiten des Alten Schlosses bietet Gießen überregional bedeutenden Künstlern ein Forum für ihre Werke. Mit ihrem wechselnden Angebot an Sonderausstellungen trägt die Stadt so zu einem regen kulturellen Austausch bei und belebt die alten Gemäuer mit zeitgenössischen künstlerischen Herausforderungen.

Abteilung Kunsthandwerk

Das erste Obergeschoss beherbergt Holzskulpturen des 15. Jahrhunderts, Möbel, Münzen, Fayencen sowie eine auf die Region bezogene reichhaltige Dokumentation des 30-jährigen Krieges. Die Darstellung des 14. bis 16. Jahrhunderts wird im gegenüberliegenden Raum durch Möbel, Plastiken und Gemälde ergänzt, die als Ensembles zusammengestellt sind und bis in die Zeit um 1900 reichen.

Die Gemäldegalerie

Der Rundgang beginnt mit der barocken Malerei, allerdings bildet das 19. Jahrhundert den Schwerpunkt der Ausstellung: Vor allem die Münchner Malerei mit Künstlern wie Stuck, Zügel, Spitzweg, Lenbach ist hier vertreten, wie auch Bilder von Corinth, Thoma, Trübner.

Ein besonderes Augenmerk wird auf die hessische Malerei des 19. und frühen 20. Jahrhunderts gelenkt. Die Künstler Carl Engel (gen. zu der Rabenau), Carl-Ludwig Bantzer, Wilhelm Thielmann, Richard Hoelscher und Karl Lenz seien stellvertretend genannt.

Im zweiten Obergeschoss finden sich Kunstwerke aus der Epoche des Jugendstils bis hin zur Malerei der Gegenwart. Von Melchior Lechter über Hanns Pellar und die Expressionisten Hein Heckroth und Carl Gunschmann führt die Ausstellung bis zu den bedeutenden Künstlergruppen aus der Zeit nach 1945.

Die Malerei der Münchner Gruppe ZEN 49 ist in der Sammlung mit Fritz Winter, Gerhard Fietz, Rolf Cavael vertreten, ebenso wie die Künstler der Frankfurter Gruppe Quadriga, Otto Greis, Karl-Otto Götz, Heinz Kreutz, Bernard Schultze. Skulpturen von Antes, Hess, Hauser, Fiebig, Burhenne und Kraft führen den Besucher bis zur jüngsten Malerei von Heinz Mack, einem Vertreter der Gruppe ZERO oder Friedemann Hahn.

Zugang für Behinderte

Klingel/Sprechanlage für Rollstuhlfahrer am Hintereingang (gleichzeitig Zugang zur Terrasse der Gaststätte Schlosskeller), Zutritt kann dann nach Öffnung des Innentores durch das Museumspersonal über den Innenhof erfolgen (1 Stufe). Im Haus befindet sich ein Aufzug. Ein Teil der Ausstellungsräume ist nur über weitere Stufen (jeweils 3) zu erreichen.

Wallenfels`sches Haus, Kirchenplatz 6

Oberhessisches Museum - Wallenfels'sches Haus
Oberhessisches Museum - Wallenfels'sches Haus

Im Wallenfels'schen Haus befinden sich seit 1987 die Abteilungen, die sich der Erd- und Menschheitsgeschichte und der Völkerkunde widmen: Von Fossilien bis zu den frühesten Steinwerkzeugen der Geröllgeräte-Industrie der Neandertaler sind fast alle vor- und frühgeschichtlichen Stufen in der archäologischen Abteilung vertreten. Aus späterer Zeit werden Funde von Hügelgräberbronze bis zu merowingischem und karolingischem Gut bewahrt. Hier finden sich Kämme, Gewandspangen und Gefäße oder diverse Grabungsfunden aus der Gründungsgeschichte unserer Stadt.

Besonders reizvoll ist der Vergleich all dieser Kulturstufen mit den antiken Kulturen, der dank der Leihgabe des Archäologischen Instituts der Universität Gießen möglich ist. Wir zeigen Funde aus Troja, Griechenland, Etrurien und aus dem Römischen Reich.

Eine Sammlung, die sich mit der Kultur Tibets befasst, ist eine Schenkung von Heinz Beer. Neben den zahlreichen Buddhafiguren sehen wir hier auch Kultmesser, Silberamulette und volkstümliche Gebrauchsgegenstände aus Tibet.

Im August 2006 erstellten tibetische Mönche vor Ort ein Sandmandala des Medizinbuddha. Dieses wurde entgegen der üblichen Handhabe nicht nach der Vollendung zerstört, sondern in die Dauerausstellung aufgenommen.

Am 18. März 2012 fand im zeremoniellem Sinne die Auflösung des seitherigen Medizinbuddha-Mandalas statt.

In der folgenden Woche erstellten buddhistische Mönche aus farbigem Sand das Mandala des Bodhisattva des Mitgefühls, Avalokiteshvara. Diese Arbeit erfordert große Geduld, höchste Konzentration und akribische Genauigkeit. Ebenso wie sein Vorgänger wurde auch dieses Mandala entgegen der üblichen Handhabe nicht nach der Vollendung zerstört, sondern in die Dauerausstellung aufgenommen. 

Das Mandala bereichert die Ausstellung zur Kultur und Religion Tibets.
Neben Stuttgart und Hannover ist Gießen die einzige Stadt, in der solch ein Mandala länger Bestand hat.

Zugang für Behinderte:

Vor dem Haus befindet sich ein Treppenpodest. Im Haus befindet sich sowohl ein Aufzug als auch eine behindertengerechte Toilette (ohne Notruffunktion).

Leib'sches Haus, Georg-Schlosser-Str. 2

Leib`sches Haus
Leib`sches Haus

Abteilung für Stadtgeschichte und Volkskunde

Seit 1978 beherbergt der restaurierte Fachwerkbau von 1350 in vier Stockwerken die Dokumentation zu Stadtgeschichte und Volkskunde.

Karten, Stiche, Urkunden und Ölbilder dokumentieren die Geschichte der Stadt Gießen und ihr Wachstum seit dem 12. Jahrhundert bis in die heutige Zeit. Da Gießen nicht nur Festungs- und Universitätsstadt war, sondern auch eine Stadt der Ackerbürger, gewähren die Exponate im zweiten Obergeschoss Einblicke in die Volkskunde, das Kunsthandwerk und die ländliche Lebensweise der Gießener Umgebung. Die Ausstellungsstücke reichen von Brettstühlen und Finkentruhen über Ernteflaschen bis hin zu Trachten. Das bürgerliche Leben wird durch Möbelensembles aus der Zeit des Barock, des Biedermeier, der Gründerzeit und des Jugendstil veranschaulicht. Haushaltsgeräte, Kinderzimmer und Familienportraits komplettieren die Ensembles. Unter dem Dach befinden sich Dokumentationen zu Industrie und Handwerk in Gießen.

Zugang für Behinderte

1 Stufe vor der Eingangstür. Im Haus sind die Ausstellungsräume nur über Treppen zu erreichen.

 

Der Schwerpunkt der Sonderausstellungen lag bisher auf zeitgenössischer Kunst. Erst seit kurzem werden in Sonderausstellungen auch archäologische oder kulturhistorische Fragestellungen behandelt.

Gießen hat sich seit diesen Gründungsjahren des Museums erheblich entwickelt und versteht sich heute als »Wissenschaftsstadt«. Die Stadtgesellschaft ist zudem vielfältiger geworden und damit auch ihre Geschichten. Ein zeitgemäßes Museum ist gefordert, diese Veränderungen abzubilden, will es ein interaktiver Ort kultureller Identität(en) sein.

Diesem Paradigmenwechsel im aktuellen Museumsdiskurs möchte sich die Stadt Gießen aktiv stellen. Was muss sich verändern, damit das Museum zu einem Ort der Identitätsstiftung und Selbstvergewisserung der Gießener Stadtgesellschaft, aber auch der Region werden kann?

Um diesem Prozess eine adäquate Struktur und Form zu geben, wurde das Konzept Stadt[Labor]Gießen unter Leitung des Kulturamts gemeinsam mit einer dafür einberufenen Steuerungsgruppe entwickelt.

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